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Svend Nielsen

Carillons Sinfonia Concertante für Cello und Kammerorchester

Nightfall Århus Sinfonietta, Elgar Howarth

Die Partituren des 1937 geborenen, bislang auf Tonträger nicht gewürdigten Dänen Svend Nielsen sind Zaubergärten, lichtdurchflutet, von heiterer Melancholie, und immer wieder taucht Verwunschenes, Schattenhaftes auf. Doch wird kein persönliches Drama inszeniert, vielmehr ereignet sich alles naturhaft, der Formprozeß unterliegt unvorhersehbaren Wendungen und Wandlungen, Wetterwechseln gleich (Nielsen ist Hobby-Meteorologe). Freilich steuert er diese Prozesse mit psychologischer Intuition, verleiht ihnen untrügliche Magie. Was für ein Moment, wenn in Nightfall (1989) das Pulsieren im Nichts verebbt, um unerwartet aus dem Nichts wiederzukehren… Nightfall ist das eruptivste, dunkelste Stück. In der Sinfonia Concertante (1994) und den Carillons (1995) stellt sich wie von selbst aus atmosphärischer Innenschau suggestives Fließen ein, die freitonale, stark

heterophon motivierte Satzweise verzweigt und bündelt sich zwanglos und bleibt immer transparent – dies natürlich auch das Verdienst des exzellenten Ensembles! Der Einfluß des Lehrers Per Nørgård ist im hellen Klangbild und der feinstrukturellen Abkehr von allem Plakativen merklich. Dazu kommt das Impressionistische, Irreguläre, tonal Unbefangene, was seine Werken mit der Aura des Spontanen umgibt. Svend Nielsen hat sich um Trends nie gekümmert, weswegen er als einer der interessantesten nordischen Komponisten bis jetzt recht unbekannt geblieben ist, was sich mit der Verbreitung dieser Aufnahmen ändern könnte.

Christoph Schlüren

(Rezension für Neue MusikZeitung)

Dacapo 8.224078