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Danish Wind Quintet

Seit 30 Jahren spielt das Danish Wind Quintet in unveränderter Besetzung. Anfang der siebziger Jahre arbeiteten die Musiker lange Zeit eng mit Sergiu Celibidache zusammen, mit dem sie auch als Solisten in Mozarts Bläser-Concertante spielten. Die musikalischen Früchte dieser Zusammenarbeit sind bis heute für das geschulte Ohr sofort unverkennbar. Was für ein vitales, organisch verbundenes Musizieren in der vortrefflichen Mozart-Bearbeitung! Welche Feinabstimmung der changierenden Farbenpracht in den zwei Stücken von Guy Ropartz, die wirken wie eine Taschenausgabe Debussyscher Orchestermusik – sinnvoller, verfeinert französischer und kultivierter läßt sich das nicht darbieten. Die klassizistische Romantik ist mit einer viersätzigen Quintettrarität des Dänen Peter Rasmussen (1838-1913) vertreten: sehr hübsche Musik, deren geringer Tiefgang der alles auslotenden Aufführung Grenzen setzt. Eine grandiose Überraschung ist "5!" vom Fagottisten Peter Bastian (geb. 1943), jenem Ausnahmemusiker, der unter den Quintettmitgliedern Celibidache am engsten verbunden war. Im Hauptberuf Physiker, ist er einer der populärsten Musiker Dänemarks – nicht nur als Fagottist, sondern auch auf der bulgarischen Klarinette, mit der er in seiner Gruppe "Bazaar" wie ein "echter Orientale" klingt. Seine neueste Komposition "5!" ist sehr ambitioniert, erinnert in der lichten Faktur ein wenig an den berühmten Landsmann Per Nørgård, ist dabei aber auch herrlich naiv musikantisch. Komplex in der melodischen Organisation, und doch einfach und unmittelbar charakteristisch in der Wirkung. Aus Bastians Feder möchte man mehr Musik hören! Die Krönung vorliegender CD ist Carl Nielsens spätes Quintett, an dem hier so gar nichts seltsam und unverständlich erscheint.

So gespielt ist das die natürlichste Musik von der Welt, und erst so kann sie ihre ganze Eigenart, ihren spezifischen Reiz entfalten. Jeder, der erfahren möchte, welchen Charakter Nielsens Musik wirklich hat, welches weite Ausdrucksspektrum ein flexibles, identifikatorisch und zugleich frei aufspielendes Ensemble darin offenlegt, sollte diese Aufnahme kennenlernen – eine Referenzaufnahme nicht nur für dieses Werk, sondern für den gesamten Nielsen. Allein der subtile, immer bezwingend in der Struktur begründete Rubatogebrauch ist ein Fest! Desgleichen die klangliche Geschlossenheit, die kantable Intensität der Oboe, die unübertreffliche Feinheit des Horns, die tänzerisch leichte Präsenz des Fagotts usw. Kein anderes mir bekanntes Bläserensemble reicht da auch nur annähernd ran. Anspieltip: Nielsen, Variations-Finale.

Christoph Schlüren

Interpretation: höchste Bewertung

(Rezension für Music Manual)

Carl Nielsen: Bläserquintett op. 43, Peter Bastian: 5!, Guy Ropartz: 2 pièces, W. A. Mozart/arr. Rechtman: Divertimento KV 439b, Peter Rasmussen: Quintett
Fønix FMF 1145 / Vertrieb: Lotus (Österreich), Liebermann (Deutschland)