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Astor Piazzolla

CD-Anthologie bei Bella Musica

Der Label-Name ist passend gewählt: Bei Bella Musica ist eine umfangreiche, 11 CDs umfassende Piazzolla-Edition erschienen, die Aufnahmen von 1968 bis Mitte der achtziger Jahre enthält. Eine allgemeine Abhandlung über Astor Piazzollas musikalische Qualitäten erübrigt sich – am unverstelltesten sind diese sicher in Live-Mitschnitten und wohl auch in früheren Jahren erfahrbar, so auf "Maria de Buenos Aires", aufgenommen 1968 in der argentinischen Heimat: Innig, spannungsgeladen, ausdrucksvoll und nicht billig sentimental, sondern bei aller Hitze und Exaltation immer auch etwas kühl. Höhepunkt der Edition ist das Konzert in Rom 1972 mit immer wieder aufs Neue unwiderstehlichen Klassikern wie dem zwischen melancholisch rankenden Geigengesprächen und geistreich agitierenden Rhythmen kontrastierenden "Vardarito", dem dämonisierten Urtango "Verano Porteño" oder der introvertiert kapriziösen "Tristeza de un doble A" – das alles ist durchweg fesselnd und von perfekt inszenierter Spontaneität. Was für ein federnder Rhythmus auch, welch’ tänzerische Verve! Auch das 84er Konzert in Mailand ist ein herrliches Dokument und spiegelt den Wandel zu einem oft hermetischeren Stil, der gleichwohl nicht die kommunizierende Qualität eingebüßt hat. Sehr attraktiv ist der rauhe Gesang von Amelita Baltar, wo meines Erachtens Piazzollas Engagement zu viel ansprechenderen Resultaten führte als mit der süßlichen Stimme José Angel Trelles’ – letztere Scheibe ist nicht allzu lohnend.

Auch die Orchester-Kollaborationen ("Piazzolla concertant") wirken mäßig authentisch, seltsamerweise klingt es weniger farbig, dumpfer als mit dem kleinen Ensemble. Mehr gibt der Dialog mit dem Orchester in den vielfältig schillernden Filmmusikstücken her, z. B. "Oda para un hippie". Mit dem Conjunto electronico hingegen klingt das alles schärfer, tendenziell rockiger – hier sind es weniger die Feinheiten als extrovertiertes Improvisando, das lockt. "En suite" portraitiert den subtilen Melancholiker von 1984, und "Años de soledad" ist Piazzolla vom Typischsten – wenn ihn einer noch nicht kennt, beginnt er am besten damit oder mit einem der grandiosen Live-Alben.

Christoph Schlüren

(Rezension für Music Manual)

Bella Musica CDs: 31.7040 (Rom 1972), 14.7001 (Mailand 1984, 2 CDs), 31.7032 (Años de soledad), 31.7031 (En suite), 31. 7033 (María de Buenos Aires), 31. 7034 (Concertant), 31.7035 (mit Conjunto electronico), 31.7038 (The Movies), 31. 7036 (mit J. A. Trelles) und 31. 7037 (mit Amelita Baltar)