< RARE MUSIC STARTSEITE

Anders Eliasson 'Ostácoli'
für Streichorchester (1987)

'Ostácoli', die 'Hindernisse' für Streichorchester, komponierte Anders Eliasson 1987 für das Ostbottnische Kammerorchester unter Juha Kangas. Die Uraufführung durch die Widmungsträger fand am 31. Januar 1988 anläßlich der Kammermusikwoche Kaustinen statt. Alles in Ostácoli ist aus dem markanten Anfangsthema gewonnen, das sich geradezu ins Bewußtsein hämmert - aus seinen Vorschlägen, chromatischen Fortschreitungen, kleinen Terz- und Sextintervallen, dem Umfang einer kleinen None, der widersprechenden Rhythmik, die hier in faßlicher Form konzentriert sind. Die scharfen Akzente setzen sich fort, gleichzeitig auftretende Kontraste wie Legato und Staccato, Laut und Leise, Schnell und Langsam sind Quellen steigender Spannung, zwei akzentuierte Haltetöne werden Signal kommender Veränderung. Im brillanten rhythmischen Wechselspiel zwischen behender Figuration und immer vernehmlicherem Tenuto setzt sich die Tenuto-Thematik durch, gerät unter Druck agitierenden Kontrapunkts aus der Tiefe, hervorschwellende Terztriller drängen. Più mosso geht daraus ein tänzerisch-imitatorisch bewegter Abschnitt hervor, dessen eleganter Charakter immer brutaler wird und, im Gegeneinander markierter Akkorde, sich in trillernder Reibung blockiert. Das sehr gegensätzliche Lento e lugubre umhüllt die Anfangsthematik mit transparentem Schleier aus Trillern und Gegenbewegungen, und mächtiger als vorher schwingt sich die Tenuto-Thematik empor. Das innige Innocente des ersten Geigers erahnt bereits den

Schlußgesang und signalisiert Verzweiflung; Glissando-Viren vergiften den Satz und die Beunruhigung wächst beändstigend, tritt hinüber in die Verharrung des 'deserto', durchstochen von Glissando-Attacken. Das nun einsetzende Vivace drängt aggressiv kämpferisch, mit auftauchenden und ertrinkenden Gegenelementen zur martialischen Hauptmotivik, in mehreren Anläufen, in der Konfrontation von hohen und tiefen Stimmen, in unerbittlicher Triolik und über die hauptthematischen Konturen hinweg zur maximalen Obsession, in den Käfig des Unabwendbaren, um die äußerste Anspannung bei verlangsamender Bewegung zu erfahren. Die Lösung, Lento con tristezza, ist von den Stimmen der Unschuld durchwoben, deren ersehntes Aufblühen sogleich innehält - die Glissando-Viren von vorher dringen wieder ein, nunmehr Botschafter des Endes, 'deserto': Im Zentrum der Turbulenz ist Ruhe. Die Wüste lebt im Auge des Sturms.

Christoph Schlüren

(Einführungstext für Wien Modern, Konzerthaus Wien 1998)